Knapp 30 Jahre fuhren Pferdebahnen durch die Straßen von Köln. 1877 nahm die erste Linie ihren Betrieb auf, kurz nach der Jahrhundertwende wurden auch die letzten Wagen durch elektrische Straßenbahnen ersetzt. 30 Jahre, in denen die Kölner sich mit den Pferdewagen arrangierten und anfreundeten. Täglich von halb sieben morgens bis elf Uhr abends gehörten die Bahnen im Sommer zum Stadtbild, im Winter machten sich die Fahrzeuge eine halbe Stunde später auf den Weg. Nicht jeder konnte sich die Fahrt leisten. 35 Pfennig kostete die teuerste Fahrt von Bayenthal nach Ehrenfeld, für damalige Verhältnisse eine Menge Geld. Am späten Abend musste sogar noch ein Nachtzuschlag von zehn Pfennig entrichtet werden. Lediglich Schüler zahlten auf dem Weg zur Schule den halben Preis. Zwei Wagenklassen gab es nur in den ersten Monaten, schon bald wurde die Trennung wieder aufgegeben. Die Waggons waren zu klein, als dass eine Aufteilung in erste und zweite Klasse sinnvoll gewesen wäre.
Im Sommer verkehrten andere Wagen als im Winter. 25 bis 29 Fahrgäste fanden in den geschlossenen Winterwagen Platz, in den offenen Sommerwagen waren es sogar bis zu 39 Personen. Immer 14 Fahrgäste konnten im Wageninneren auf Bänken sitzen, auch im Sommer durch aufklappba-re Planen vor Regen geschützt. Lediglich die Kutscher waren dem Wetter das ganze Jahr über ausgesetzt.
War das Ein- und Aussteigen in die Wagen anfangs noch an jeder Stelle der Strecke möglich, wurde das Aussteigen bald auf extra eingerichtete Haltestellen begrenzt. An den Haltepunkten in der Innenstadt wurden auch Wartesäle errichtet, manche sogar mit Werbetafeln bestückt. Hier hingen auch die ersten Fahrpläne aus, die allerdings nicht immer eingehalten werden konnten. "Bauarbeiten, Begräbnisse, militärische Aufzüge und das Güterzug-Rangieren am Stadtgarten" nannte die Kölnische Straßenbahn-Gesellschaft 1884 als Hauptgründe für Verspätungen. Hin-zu kamen vermehrt auch Unfälle, meist durch Unachtsamkeit von Passanten ausgelöst. Diese ließen sich - ebenso wie zahlreiche Entgleisungen - auch durch strenge Sicherheitsvorkehrungen nicht ganz vermeiden. Höchstgeschwindigkeit und die Höchstzahl von Fahrgästen pro Wagen waren genau festgelegt, Schaffner und Kutscher mussten umfangreiche Prüfungen absolvieren, bevor sie ihren Dienst aufnehmen konnten.
Um andere Verkehrsteilnehmer vor einer nahenden Pferdebahn zu warnen, war der Kutscher zudem mit einer schrillen Signalpfeife ausgestattet. Beliebt waren diese Pfeifen allerdings nicht. Ob es nicht möglich sei, sich "auf sonstige Mittel zu besinnen, welche den Zweck in weniger abscheulicher Weise zu erreichen sind", fragte ein Anwohner in einem Leserbrief an den Kölner Stadt-Anzeiger.