Seit 1877 fuhren in Köln Pferdebahnen, und mit der Zeit gewöhnten sich die Kölner an das neue Verkehrsmittel. Die Fahrgastzahlen stiegen stetig an. Doch obwohl die Anzahl der Wagen und Linien immer weiter erhöht wurde, waren die Wagen regelmäßig überfüllt. "Die vom Chlodwigplatz zum Zoologischen Garten fahrenden Ringbahnwagen sind alle schon vollbesetzt, wenn sie am Kaiser Wilhelmring ankommen, und es hat sich herausgestellt, daß selbst bei einem Fünfminuten-Verkehr der Betrieb auf dieser Strecke dem Verkehrsbedürfnis nicht entspricht." schildert der Stadt-Anzeiger 1899 die Situation im Kölner Norden.
Es bestand also Bedarf an öffentlichen Verkehrsmitteln, die Pferdebahnen waren allerdings nicht mehr länger die sinnvollste Lösung.
1881 war in Berlin zum ersten Mal in Deutschland eine e-lektrische Straßenbahn getestet worden. Vorerst konnten sich die neuen Bahnen allerdings noch nicht durchsetzen. Die Technik war noch nicht ausgereift, Oberleitungen waren aus ästhetischen Gründen nicht erwünscht, eine unterirdische Stromzufuhr zu teuer.
In Köln gab es 1887 die ersten Tests mit Fahrzeugen der elektrischen Technik. "Auf der ganzen Fahrt wurde der ‚Wagen ohne Pferd' angestaunt und Scharen von kleinen und großen Neugierigen gaben ihm stellenweise das Geleit. Interessant war es zu beobachten, daß der Wagen im Augenblick aus dem schnellsten Tempo in ein ganz langsames überging, und umgekehrt, oder daß die Geschwindigkeit allmählich nach Belieben gesteigert oder verlangsamt wurde", schrieb der Stadt-Anzeiger am 21. September 1887 über eine Testfahrt einer elektrischen Straßenbahn.
Wurden auch in Köln die neuen Wagen vorerst noch als Zukunftstechnik angesehen, änderte sich diese Meinung Mitte der 1890er Jahre. Es wurde klar, dass die elektrische Straßenbahn eine saubere, sichere und schnelle Möglichkeit bieten würde, viele Fahrgäste zu befördern. Zwischen 1891 und 1898 wurde in Köln der Rheinauhaufen ausgebaut, die elektrische Straßenbahn erschien als das einzig geeignete Verkehrsmittel, um diesen mit der Innenstadt zu verbinden.
Am 15. Juni 1896 schrieb die Stadt Köln den Betrieb von fünf Strecken öffentlich aus. Bedingung für die Anbieter war lediglich, dass sie an bestimmten Stellen in der Stadt, wie am Neumarkt und an der Apostelnkirche auf Oberleitungen verzichteten. Außerdem sollten sie den Strom für die Straßenbahnen von den städtischen Kraftwerken beziehen. 1897 wurde die Ausschreibung weiter eingeschränkt: die Stadt hatte nach langer Diskussion beschlossen, den öffentlichen Nahverkehr in Köln in eigener Regie zu übernehmen. Vorerst sollten allerdings die Linien an private Anbieter verpachtet werden.
Mit diesen Plänen begab sich die Stadt in eine rechtlich schwierige Situation. Die "Kölnische Straßenbahn-Gesellschaft", die seit 1882 die Pferdebahnen in der Stadt betrieb, besaß Konzessionen für die meisten Strecken in der Innenstadt. Diese liefen teilweise erst 1924 aus, und da die Pferdebahnen Gewinn abwarfen, war das Unternehmen nicht daran interessiert, ihr Monopol aufzugeben oder gar selber in die neue elektrische Technik zu investieren.
Per Gerichtsbeschluss untersagte das zuständige Oberlan-desgericht der Stadt Köln, elektrische Straßenbahnen auf Strecken zu betreiben, die in Konkurrenz zu den Linien der Kölnischen Straßenbahn-Gesellschaft standen. Trotzdem begann die Stadt, eine verkürzte Strecke zwischen Rheinauhafen und Innenstadt zu bauen. Gleichzeitig setzte man aber auf Verhandlungen mit der Kölnischen Straßenbahn-Gesellschaft. Bald wurde klar, dass es in diesen Verhand-lungen nicht darum gehen würde, ob die Stadt den Betrieb der Straßenbahnen übernimmt, die Kölnische Straßenbahn-Gesellschaft hatte eingesehen, dass sie das nicht würde verhindern können. Lediglich Zeitpunkt und Modalitäten waren noch auszuhandeln. Am 2.1.1900 einigte man sich dann. Die Stadt zahlte fast 20 Millionen Mark an die Kölnische Straßenbahn-Gesellschaft - viele empfanden diesen Preis als zu hoch - und erhielt dafür die Genehmigung, rückwirkend zum 1. Januar 1899 den öffentlichen Verkehr in Köln zu betreiben. Spätestens mit der Übernahme des Straßenbahnbetriebs durch das neugegründete städtische Unternehmen "Bahnen der Stadt Cöln" am 1. April 1900 war die Wachablösung im Kölner Verkehr dann vollzogen.